Wenn Medien zu Bonitätsprüfern werden

Es scheint als ob die Medien neue Märkte erschließen wollen. Wie sonst ist das Wildern in der Domäne der Bonitäts- und Leumundprüfer zu erklären?

Vor einigen Tagen erschien im Tages Anzeiger ein Artikel über Roland Scheck und seine Verbindung zu Rechtsextremen Kreisen, belegt durch irgendwelche Twitter Accounts, denen Herr Scheck folgt.

Die ganze Angelegenheit erinnert mich etwas an die Datensammel- und Analysebedürfnisse der Bonitätsprüfer (der K-Tipp berichtete). Bei diesen hat man auch zur Berechnung der Bonität der Kunden, die Wohnadresse berücksichtigt, mit dem Erfolg das, wenn jemand an der Badenerstrasse in Zürich lebte, automatisch (unabhängig von der realen Kreditwürdigkeit) schon mal schlechter bewertet wurde als eine andere Person.

Ich muss dazu sagen, dass ich weder Herrn Scheck noch eine der genannten Personen persönlich kenne und auch nicht für oder gegen ihn Stellung beziehe, mir geht es lediglich um die Tatsache, dass jemand meint, anhand von ein paar öffentlich zugänglichen Daten, ein komplettes Bild eines Menschen erstellen zu können, insbesondere wenn diese Daten sich hauptsächlich auf die beiden Social-Media Plattformen und die dort sichtbaren Kontakte bezieht.

Ich beziehe mich hierbei bewusst nicht auf die Aussagen, die Herr Scheck in Interviews gegeben haben soll, sondern nur um die Social-Media Plattformen.

Wie verwende ich Facebook und Co?

 Medien, die neuen Bonitäts- bzw. Leumundprüfer?

Medien, die neuen Bonitäts- bzw. Leumundprüfer?

Grundsätzlich muss man sich Fragen wie die betroffene Person Facebook und die anderen Social-Media Plattformen benutzt.

Ich persönlich benutzte Facebook um auf dem Laufenden zu bleiben was bei meinen privaten (teils ehemaligen, insbesondere alte Schulkollegen) Kontakten läuft. Dabei spielt mir die Gesinnung der Leute absolut keine Rolle und da man sich nicht aussuchen kann, mit wem man in die Schule geht, kann es durchaus sein, dass da mal jemand dabei ist, der nicht so in die gängige Norm des Normalbürgers passt.

Anders verhält es sich bei Xing und LinkedIn. Dort bin ich grundsätzlich mit aktuellen und ehemaligen Geschäftspartnern bzw. Mitarbeitern, unabhängig der privaten Gesinnung, „verlinkt“.

Nochmals anders Twitter: Hier folge ich grundsätzlich mal jedem, der mir interessant scheint und zwar von ganz links bis ganz rechts. Schliesslich will ich ja wissen was die Spatzen von den Dächern pfeifen, unabhängig ob mir diese Meinung genehm ist oder ob ich sie überhaupt meiner eigenen entspricht.

Einzig, wenn die Tweets zu sehr abdriften, zu langweilig oder zu derb sind, „entfloge“ ich wieder.

Aber dazu muss ich oftmals die Tweets überhaupt sehen. Bei mehr als 240 Personen denen ich folge, kann man nicht jede Aussage lesen und manchmal lausche ich Tage- oder Wochenweise dem ge-twittere nicht zu.

Da verpasst man einiges…

Fazit

Auf Basis nur einiger Daten, die öffentlich auf Social-Media Plattformen gefunden werden, auf ein „politisches Profil“ zu schliessen, ohne die Hintergründe über die Handhabung der entsprechenden Plattformen zu kennen, ist mehr als fragwürdig und darf wohl als „keine journalistische“ Glanzleistung abgetan werden.

Übrigens: Ich glaube ja, dass Herr Aeschlimann mit Roger Schawinski verkracht ist? Interessanterweise folgt er Martin Diener (Radio Zürisee), Radio Baselisk und Radio SRF, aber er folgt weder Radio1, Roger Schawinski oder gar Marc Jaeggi. Ein eindeutiges Zeichen? Ich glaube es ging da um irgendwelche Frauengeschichten, oder interpretiere ich jetzt da zuviel rein? Obwohl Social Media Platformen lügen ja nicht, oder?