schuldatenverwaltung.sz am Ende (iCampus)

Wieder ein Informatikprojekt in den Sand gesetzt. Ein striktes Anforderungsmanagement hätte einiges einfacher gemacht.

Diesmal hat der Kanton Schwyz sein Projekt „schuldatenverwaltung.sz“ zu Grabe getragen. Nachdem es bereits eine Re-Dimensionierung des Projektes beschlossen wurde, sind wird der Betrieb nun „geordnet“ eingestellt, wie das Bildungsdepartement des Kanton Schwyz gestern mitteilte.

Dieses geordnet bedeutet in erster Linie ein Desaster für die Schulen, welche in den vergangenen Jahren das Projekt aktiv unterstützt haben und sämtliche Prozesse auf das iCampus genannte Tool abgestimmt haben.

Während maximal zweier Jahre stehen die Grundmodule noch zur Verfügung und in dieser Zeit muss ein Ersatz gefunden werden. Man bedenke, dass der Kanton Schwyz seit mehr als drei Jahren an diesem Projekt gearbeitet hat, welches man nun sang und klanglos untergehen lässt. Ersatz zu finden (und ich spreche hier nicht von einer Interim-Lösung) wird also entsprechend schwierig werden.

Was bleibt? Die Kosten zahlt der Steuerzahler

 Schuldatenverwaltung nicht mehr Online?

Schuldatenverwaltung nicht mehr Online?

Der Verpflichtungskredit für das Projekt von 1.23 Mio. CHF sind nur die halbe Wahrheit. Die vielen hundert Stunden, welche Schulleitungen, Projektgruppen und Schulsekretariate in den verschiedenen Gemeinden aufgewendet haben, um ihr Schuldaten ins neue System zu überführen sind in dieser Rechnung nicht berücksichtigt. Der Verpflichtungskredit dürfte nur einen kleinen Teil der Kosten ausmachen.

Wie es weiter geht lässt das Bildungsdepartement vorerst offen. Man wolle sich in den nächsten Monaten auf eine zukünftige Strategie einigen: Nur bis dann müsste schon längst feststehen wo, wie und vor allem womit die Schulbehörden ihre Daten, welchen sie im tagtäglichen Schulbetrieb benötigen, erfassen und pflegen sollen. Es ist zu befürchten, dass viele Gemeinden, wenn das Departement von Walter Stählin nicht schnell reagiert, wieder auf teure, proprietäre Einzellösungen setzen werden.

Es wäre zu erwarten gewesen, insbesondere, weil das Projekt schon länger immer wieder in der Kritik stand, dass das Bildungsdepartement einen Notfallplan, im Falle des Abschaltens von iCampus, bereithält. Aber dieser lässt auf sich warten…

Fehlendes Anforderungsmanagement

Wieso funktionieren gerade Informatikprojekte, gerade beim Bund und Kantonen so schlecht? Weil man zu viele Köche mitreden und die verderben bekannter Weise den Brei. Man versucht, wie bei der Schuldatenverwaltung des Kantons Schwyz, eine sogenannte eierlegende Wollmilchsau zu schaffen und das kann nicht klappen. Vor allem die sogenannten „moving targets“, sich verändernde Ziele, sind bei Projekten, die sich über mehrere Jahre hinziehen, ein grosses Problem. Ein striktes und konservatives Requirement- respektive Anforderungsmanagement ist hier Pflicht.

Es darf nichts implementiert und umgesetzt werden, was nicht genau abgesprochen und durchdacht ist. Auch wenn es denn Entwickler nur eine Stunde aufwand kostet eine neue (und vielleicht auch super sinnvolle) Funktion zu implementieren. Es darf nicht möglich sein! Dies war, nach meiner persönlichen Erfahrung, im Rahmen des iCampus Projektes sehr einfach möglich, wenn nicht sogar Tagesgeschäft. „Kundenwünsche“ wurden, wenn sie sinnvoll erschienen, rasch umgesetzt.

Hier hätte das Bildungsdepartement bzw. die Projektleitung einschreiten und ein entsprechendes Regelwerk erlassen mūssen. Ich behaupte, dass Projekt wäre, zumindest in Teilen, anders verlaufen.