Scheuklappen denken statt wirklicher Umweltschutz

Grüne Politiker sind sich nicht zu schade in regelmässigen Abständen über den Verbrennungsmotor zu monieren und über dessen Umweltschädlichkeit zu lamentieren. Gleichzeitig lobpreisen sie die batteriebetriebenen Fortbewegungsmittel als das Ei des Kolumbus. Wie verblendet dies ist, möchte ich etwas detaillierter illustrieren.

Seit einigen Jahren erfreuen sich sämtliche e-Produkte wie e-Bikes, e-Autos, etc einer immer grösseren Beliebtheit und unabhängig ob ich dies nun eine gute Sache finde oder nicht, erstaunt es doch sehr, dass solche nicht schon längst „grün“ auf den Plan gerufen haben. Betrachten wir die Situation nämlich ganz nüchtern, ist auch diese e-Mobilität (noch) nicht gänzlich umweltfreundlich, auch wenn dies gerne suggeriert wird.

Umweltbelastung anstatt Muskelkraft

Betrachten wir einmal ein e-Bike, das genau genommen ein Motorrad mit einem e-Motor, welcher mit zusätzlicher Muskelkraft unterstützt wird, ist. Es handelt sich nicht um ein Fahrrad, denn diese sind gemäss Wikipedia ein Gefährt, „das ausschließlich durch die Muskelkraft auf ihm befindlicher Personen durch das Treten von Pedalen oder Handkurbeln angetrieben wird.

Im Gegensatz zu einem Fahrrad stelle ein e-Bike eine grössere Umweltbelastung dar, als das gute alte Fahrrad. Nicht nur die Herstellung der zusätzlichen elektronischen Komponenten (Display, Steuerung, Motor, etc) bedeuten einen grösseren Ressourcenverbrauch, sondern auch die erhöhte Abnutzung der Reifen, Bremsen, Kette (je nach Motortyp) bedingen einen grösseren Materialaufwand. Des Weiteren bedeutet jeder Kilometer, der mit dem e-Bike zurückgelegt wird, auch einen höheren CO2 Ausstoss (verursacht durch den benötigen Strom zum Laden der Batterie). Selbst unter Berücksichtigung, dass dieser Ausstoss im Verhältnis zu einem PW sehr klein ist, er ist er dennoch höher als bei einem Fahrrad.

Das grüne Gewissen wird dadurch beruhigt, dass man behaupten mag, dass es besser ist mit dem e-Bike seine Besorgungen zu erledigen, als mit dem Auto. Das ist korrekt, aber in wie vielen Fällen wird der Wagen mit Verbrennungsmotor wirklich stehen gelassen und das e-Bike benutzt? Oder ist es nicht eher so, dass das Fahrrad stehen gelassen wird und anstelle dessen wird das e-Bike verwendet.

Hauptkritikpunkt – die Batterie

 Battery-Pack des Nissan Leaf<br><i>Quelle: Wikimedia / Autor: Gereon Meyer</i>

Battery-Pack des Nissan Leaf<br><i>Quelle: Wikimedia / Autor: Gereon Meyer</i>

Das e-Auto wiederum benötigt eine grosse Menge an Batterien um die notwendige Energie für den Vortrieb zu speichern. Diese Batterien sind nicht für die Ewigkeit gebaut und das Recycling dieser Speicher ist nicht wirklich gelöst, auch wenn es interessante Anhaltspunkte gibt. Zudem kann eine falsche Lagerung die Lebensdauer der Batterie erheblich negativ beeinflussen. Auch extreme Kälte und Hitze sorgen nicht für eine längere Verwendungszeit der verbauten Energiespeicher und gerade die Abbaubedingungen für die notwendigen seltenen Erden, welche für moderne Akkumulatoren notwendig sind, geben immer wieder Grund für hitzige Diskussionen.

Das Öko-Institut e.V. Berlin schreibt in seinem 2011 veröffentlichten Hintergrundpapier zu den seltenen Erden: „Beim Abbau von Seltenen Erden fallen im Bergbau sehr große Mengen an Rückständen an, die giftige Abfälle enthalten. Diese werden in künstlichen Teichen, umgeben von einem Damm, abgelagert. Ein Dammdurchbruch, wie in Ungarn im Oktober 2010 in einem Aluminiumoxid Werk, kann zu zerstörerischen Umweltauswirkungen mit spezifischen Emissionen von Thorium, Uran, Schwermetallen, Säuren und Fluoriden führen. Darüber hinaus enthalten die meisten Seltenen Erden-Lagerstätten radioaktive Materialien, die Gefahren wie das Austreten von Radioaktivität in den Luft- oder Wasserpfad bergen.

Kritisch hinterfragt wird zudem auch der CO2 Ausstoss bei der Herstellung der Batterien. So hat, gemäss Elektroauto-News,  das schwedische Umweltministerium errechnet, dass für die Herstellung der Batterien eines Tesla Model S so viel CO2 produziert wird, wie ein Auto mit Verbrennungsmotor in durchschnittlich 8 Jahren ausstösst.

Was Firmen wir Tesla mit ihren aktuellen Produkten erreicht haben, ist sehr interessant, aber sie decken nur einen Teil der Bedürfnisse, welche die moderne Gesellschaft an die Mobilität stellt, ab. Ein grosser Nachteil ist die Ladezeit, den selbst mit einem Tesla Super Charger beträgt diese immer noch ca. ~30 min (Gemäss Tesla Schweiz; für Model S / Model X). Auch wenn die komplette Ladung mittlerweile keine Stunden mehr dauert, dauert ein „Volltanken“ immer noch zu lange und der weiteren Steigerung des Ladestroms sind physikalische Grenzen gesetzt.

Zudem benötigen die Batterien sehr viel Platz und bedeuten viel zusätzliches Gewicht. Gerade bei elektrifizierten LKWs, mit Batterien als Stromspeicher, sind aktuell Reichweiten bis ca. 300km möglich. Dies ist für Lieferungen im Kurzstreckenumfeld sicherlich sehr interessant, dürfte aber für Langstreckenfahrten nicht wirklich praktikabel (vor allem wegen den langen Ladezeiten) sein.

Ähnlich sieht es auch bei den Flugzeugen aus. So rechnet Siemens, welche sich bei den elektrischen Flugzeugmotoren in einer führenden Stellung sieht, das ab 2030 das erste elektrische Flugzeug mit ca. 100 Passagieren und 1000 km Reichweite in Serie produziert werden könnte.

Alternative – Die Brennstoffzelle

Eine Alternative zur reinen Speicherung und Verwendung der benötigen Energie sind Brennstoffzellen, welche in unterschiedlichen Variationen erprobt werden und mit unterschiedlichen Energieträgern arbeiten. Eine detailierte Übersicht findet sich auf Wikipedia.de. Verschiedene Prototypen und Kleinserienfahrzeuge sind bereits im Einsatz und ab 2018 will Hyundai mit einem Elektroauto in Serie gehen, welches 800km Reichweite besitzt und innerhalb von 3 Minuten „vollgetankt“ werden kann.

Bereits wurden verschiedene Tests mit Flugzeugen, Schiffen und LKW durchgeführt, um die Tauglichkeit der Brennstoffzelle im Alltagsbetrieb zu eruieren. In einem Langzeitversuch hat das Forschungszentrum Jülich eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle 10 Jahre lang im Dauerbetrieb erfolgreich getestet. Die Resultate lassen aufhorchen und hoffen.

Interessant ist die Wasserstoff-Sauerstoff-Brennzelle auch deshalb, weil aus Wasser und Strom (z.B. über eine Solarstromanlage auf dem Hausdach) der benötigte Wasserstoff selbst und an jedem Ort (genügend sauberes Wasser vorausgesetzt) produziert werden könnte. Der so gewonnene Energieträger kann zur Abdeckung der benötigen Energie (Strom, Heizung, Kühlung, etc) im Haushalt und theoretisch auch zur Bedankung des eigenen Autos oder e-Bike verwendet werden – eine zu 100% CO2 neutrale Lösung.

Ein grosses Problem weshalb dieses System noch nicht für den Massenmarkt taugt, sind die noch hohen Preise für Brennstoffzellen-Systeme, welche wohl erst bei entsprechender Massenproduktion sinken dürften. So rechnet der Daimler Konzern damit, dass ab 2025 die Brennstoffzellenantriebe, dank Masseproduktion, gleich teuer wie heutige Verbrennungssysteme sein dürften. Ein weiteres Problem ist die fehlende Tankstellen Infrastruktur, welche zwingend notwendig ist, um das System für den Massenmarkt zugänglich zu machen. Ein Problem, dass die batteriebetriebenen Systeme, dank Steckdose in jedem Gebäude, nicht haben.

CO2 neutrale Fortbewegung wäre möglich

Auf der anderen Seite zeigt ein Bericht von Spektrum.de, das wir heute sehr wohl über die Technologie verfügen würden, den Individualverkehr nahezu CO2 neutral betreiben zu können, dieser aber aus ideologischen Gründen lieber bekämpft wird, anstatt diese Lösungen voranzutreiben.

Auch der Artikel von autor motor & sport geht in die gleiche Richtung. Er zeigt zudem auf, dass die Steuern/Abgaben für Strom die Erzeugung der alternativen Treibstoffe massivst behindern. Hier könnte die Politik einfach und schnell Abhilfe schaffen, aber in dem Falle würde das Hauptargument der „grünen“ Politiker, die drohende Zerstörung der Welt durch den Ausstoss des Treibhausgases, hinfällig werden. Da sich das nicht gut macht, im Hinblick auf die nächsten Wahlen, verzichtet man lieber auf wirklichen Umweltschutz.

Es geht wohl doch eher um einen ideologischen Kampf, als um nachhaltigen und effizienten Schutz unserer Umwelt. Anders lassen sich die Forderungen von einigen Politikern nach einem Verbot für Verbrennungsmotoren nicht erklären.

Fazit

Um eines klar zu stellen – ich propagiere schon seit 30 Jahren den Elektroantrieb als Alternative zum Verbrennungsmotor, da der Aufbau solcher Systeme weniger störanfällig, einfacher und Wirkungsgrade von über 97% erzielt werden können. Was mich an der aktuellen Diskussion stört ist, dass der Anschein erweckt wird, dass mit den aktuellen batteriebetriebenen e-Autos sämtliche Probleme gelöst sind und der Verbrennungsmotor nun komplett verboten gehört.

Auch potentielle Umweltprobleme bei der Erzeugung und Entsorgung von Akkumulatoren wird bei der aktuellen Diskussion ausgeblendet. Zudem bin ich überzeugt, dass Verbrennungsmotoren auch in Zukunft, zwar nur noch in Einzelfällen und nicht mehr als Massenprodukt, eine Daseinsberechtigung haben werden. Die Technik diese CO2 neutral zu betreiben wäre vorhanden. Dies wird aber bewusst ignoriert bzw. verschwiegen.

Ein Verbot, wie es aktuell von vielen grünen Politikern (unter anderem von Regula Rytz und das noch vor 2025) gefordert wird mag parteipolitisch eine logische Schlussfolgerung sein, ist aber blauäugig, weltfremd und ignoriert die Tatsache, dass es noch nicht für alle Mobilitätsbereiche vernünftige Lösungen gibt.

Die Zukunft gehört für mich der Brennstoffzelle, aber diese sind aktuell erst im Begriff in den Massenmarkt einzusteigen und es wird sich zeigen, ob sich diese Lösungen wirklich durchsetzen können. e-Autos mit reinen Batteriespeichern tragen für mich nicht wirklich zum Umweltschutz bei, sie verlagern die Probleme allerhöchstens.