Der korrekte Sachverhalt oder die Krux mit den Provokationen

Keine Erklärung des Sachverhalt – Stattdessen emotionsgeladene Bilderfluten mit eingepräsamen und provozierenden Stichworten

Vor Abstimmungen sind sie wieder da: Die Einprägsamen Werbeplakate, mit schwarzen, weissen, gelben, violetten Schafen, Hakenkreuzen, Burkas und vielen anderen provozierenden Bildern und versuchen den Betrachter innerhalb von 5 Sekunden, mit einer simplen Botschaft, von einem oftmals komplexen Sachverhalt zu überzeugen.

Und auch auf den Social-Media-Kanälen ist der Schweizer Stimmbürger nicht vor einprägsamen Werbe-Parolen geschützt. Im Gegenteil: Teilt man seine persönliche Meinung oder hakt bei einer Frage / Aussage nochmals genauer nach, wird man sogleich mit mannigfaltigen (oder einfältigem) Feedback zugedeckt.

Schnell kann der Fragesteller anschliessend den eigenen Wortschatz erweitern, wird man doch mit Ignorant, Gutmensch, Linker, Rechter, Grüner, Umwelverpester, Täterschützer, Unwissender oder noch erbauenderen Beschreibungen, idealerweise zeitgleich, beglückt. Die ursprüngliche Frage indes bleibt unbeantwortet.

Mögliche persönliche Vorzüge und das eingesetzte Werbematerial als Argumentation

Bei den Argumentationen wird immer gleich über die möglichen Beweggründe oder ob ein Plakat provokativ genug ist gestritten (oder zumindest diese Argumente ins Feld geführt). Sämtliche PR Aktionen werden hinterfragt und es macht den Eindruck, dass die veröffentlichten Inserate und Plakate viel wichtiger sind, als die „eigentliche Sache“.

Vermeintlich entlarvende Aussagen wie „Die Bürgerlichen verdienen sich eine goldene Nase, deshalb sind sie dagegen!“ oder „Die Politiker sind per se alle unfähig und gehören abgeschafft!“ entbehren in den allermeisten Fällen jeglicher Grundlage und sind weder zielführend noch bilden sie die Grundlage für eine fruchtbare Diskussion.

Leider eine, wie ich finde, schlechte Entwicklung, welche die kritische Diskussion und die sachliche (und damit emotionslose) Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema hemmt, aber die in letzter Zeit sowohl von links wie auch von rechts gerne unterstützt wird.

Es ist sinnvoll und es soll auch erlaubt sein, sich Gedanken über mögliche Motivationsgründe einer Person zu machen, aber dies soll nicht als Hauptargument für ein PRO oder KONTRA angebracht werden. Schlussendlich geht es um Fakten, mögliche Szenarien, Wahrscheinlichkeiten und persönliche Wertvorstellungen, welche für die Meinungsbildung wichtig sind. Während Fakten, Wahrscheinlichkeiten und Szenarien meist emotionslos betrachtet werden können, sind gerade die Wertvorstellungen so persönlich und individuell wie ein Fingerabdruck und entsprechend irrelevant sind mögliche Motive anderer Personen auf die eigene Meinungsbildung.

Politiker aller Couleur und einige Parteien sind an dieser Entwicklung nicht ganz unschuldig. Denn wer Gallionsfiguren, die sich bestmöglich vermarkten, züchtet, muss man sich später nicht wundern, dass nicht die Politik, sondern die Personen oder die Gesinnung/Motivation dieser, anstelle der Sache, hinterfragt wird.

Self-Marketing einiger Politiker

 Eine anregendee und für alle Beteiligten nutzbringende sachliche Diskussion ist wichtig zur Lösungs- und Meinungsfindung.

Eine anregendee und für alle Beteiligten nutzbringende sachliche Diskussion ist wichtig zur Lösungs- und Meinungsfindung.

Ich habe das Gefühl es wird mehr Zeit in die „eigene Marke“ (Politiker, wie auch Partei) investiert als für die Suche nach zukunftsgerichteten Lösungen. Zugegeben, man hat ja auch Zeit, wird der eigentliche Miliz-Politiker immer mehr von einem Berufspolitiker, der seine Entscheide in der Privatwirtschaft nicht mittragen muss, verdrängt.

Ob dies eine gute oder schlechte Entwicklung ist, müssen schlussendlich die Wähler entscheiden.

Unabhängig davon stellt sich die Frage ob es erstrebenswert ist, unser politisches System mit Unmengen von Vorstössen, Anfragen und Motionen zu bombardieren, wie es seit einigen Jahren der Fall ist.
Manchmal wird der Eindruck erweckt, dass es darum geht möglichst viele dieser politischen Vorstösse, unabhängig ob diese sinnig sind oder nicht, einzureichen und auf der eigenen Homepage zu dokumentieren. Es scheint als ob so die Wichtigkeit der eigenen Person dokumentiert werden soll.

Es scheint es fehlt den Parteien bzw. den politischen Exponenten oftmals „der innere Wert“ und die Kompensation erfolgt über entsprechende Marketingmassnahmen.

Ich persönlich halte es in diesem Zusammenhang lieber mit Klasse, anstatt mit Masse oder anders gesagt, wer viel Aufmerksamkeit generiert oder besser generieren muss, hat weniger Zeit zu arbeiten.

Zurück zum schweizerischen und lösungsorientierten Ansatz

Es scheint als ginge es eher darum sich persönlich ein Vermächtnis zu schaffen, als an richtigen Lösungen zu arbeiten. Leider lassen sich, zumindest, wenn man die Kommentare in diversen Foren und Newsportalen liest, auch Otto-Normalbürger, in diesem Sumpf aus Polemik und Emotionen, instrumentalisieren.

Anstelle sich Gedanken über Sinn/Unsinn einer Sache zu machen, wird per se mit „Die verdienen damit, ich krieg nichts, also sollen die auch nichts mehr kriegen“ argumentiert und der Entscheid von subjektiven, von Unwissen und teilweise, so zumindest mein Empfinden, von Neid getriebenen Gefühlen, abhängig gemacht. Die Sache und die Diskussion selbst ist nebensächlich.

Eine sehr kurzfristige Denkweise und ich würde mir wünschen, die Diskussionen würden in Zukunft wieder etwas mehr auf die politischen Themen, anstelle irgendwelcher Plakate mit schwarzen und weissen Schaffen gerichtet sein.

Es geht um vor allem um Personen, es geht um die Blocher‘s, Landolt‘s, Mörgeli’s, Girod‘s, Glättlis, Wermuth‘s, es geht um Parteiprogramme und wer wann wem und wie warm ans Bein gepinkelt hat. Es geht um Namen, um Emotionen, Neid, Missgunst und Revierkämpfe und dies leider auf Kosten der sachlichen Diskussion, einer ehrlichen und konstruktiven politischen Diskussion. Diese Art der Diskussion mag vielleicht öde, langweilig und altmodisch erscheinen, im Gegenzug zu den opulent inszenierten politischen Gladiatorenkämpfe die zeitweise über den Bildschirm huschen. Sie sind sicher weniger emotionsgeladen und weniger aufwühlend, dafür würden sie wieder mehr der ursprünglichen schweizerischen Art entsprechen: für ein Problem die bestmögliche Lösung (und nicht das beste Marketingkonzept) zu finden.

Es geht meiner Meinung nicht mehr um die Frage wie können wir die Schweiz, unser Heimatland, verbessern und für uns alle zu einem sicheren, freien und lebenswerten Ort machen.

Kurz: Ich hoffe die politischen Diskussionen werden in der Art wieder schweizerischer und weniger dem US Wahlkampf nachempfunden, auch wenn Sex und Crime sells…