Alternative für SurveyMonkey gesucht - LimeSurvey gefunden

Wer schnell einmal eine Umfrage bei Kunden, Kollegen oder im Verein mit eigenem Logo und Layout machen möchte, ist sicherlich schon auf SurveyMonkey gestossen. Leider kostet dieser Service etwas und nicht jeder kann oder will sich das leisten. Mit einem bestehenden Hosting-Vertrag und einer bereits gelösten Domain gibt es allerdings mit LimeSurvey eine günstigere Alternative

Im Rahmen einer Projektarbeit im Schulrat wurde ich beauftragt eine Online-Umfrage auf die Beine zu stellen. Die Anforderungen waren klar: Aufgrund der finanziellen Situation der Gemeinde durfte es nichts kosten, die Lösung sollte aber dennoch soweit angepasst werden können, dass es optisch doch einigermassen nach etwas aussieht und ein absolutes No-Go waren „werbefinanzierte“ Lösungen.

Nachdem die üblichen Verdächtigen wie SurveyMonkey etc. abgeklappert wurden, stiess ich irgendwann auf das Open Source Projekt LimeSurvey.

Was kann LimeSurvey

LimeSurvey lässt, zumindest für den Umfrage-Einsteiger, keine Wünsche offen. Es gibt verschiedenste Frage-Typen (Text, Auswahl, Optionen, Matrix, etc) die zur Verfügung stehen. Es besteht auch die Möglichkeit Entscheidungswege zu definieren, d.h. man hat die Möglichkeit zu definieren, dass wenn z.B. Frage 1 mit Antwort C beantwortet wird, dann wird Frage 2 angezeigt und ansonsten gehe direkt zu Frage 3.

Selbstverständlich beinhaltet das Tool die Möglichkeit die erfassten Datensätze zu sichten, zu löschen, Datensätze direkt im Tool einzugeben (z.B. wenn auch „Offline-Fragebögen“ im Umlauf sind) und natürlich die erhaltenen Antworten zu visualisieren und zu exportieren (nach Excel, CSV, HTML, PDF oder Word).

Für jede Umfrage kann ein Zeitfenster definiert werden, in welcher sie gültig und für die Teilnehmer zugänglich ist. Die Umfrage kann als offene oder geschlossene (mit einem zu definierenden Teilnehmerkreis, bei dem die User über sogenannte Tokens identifiziert werden) Umfrage gestartet und die Daten natürlich, wenn gewünscht, anonymisiert abgespeichert werden.

Interessant ist auch die Möglichkeit auszuwerten, wie lange ein Teilnehmer brauchte um eine Frage zu beantworten. Dies wiederum kann Rückschlüsse auf die Frage „Wurde nur durchgeklickt oder hat sich der Teilnehmer ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt?“ zu.

Es verwundert also nicht, wenn das Produkt gerade bei Hochschulen, für jegliche Art von Umfragen für wissenschaftliche Arbeiten, sehr beliebt ist.

Voraussetzungen und erste Gehversuche

Die Voraussetzungen für den Betrieb einer LimeSurvey Instanz werden so von ziemlich jedem halbwegs vernünftigen Hosting-Provider erfüllt und nebst PHP wird noch eine Datenbank (z.B. mysql) benötigt. Eine detaillierte Auflistung der Mindestanforderungen und der aktuellen Ausstattung wird während der Installation angezeigt. Wer sich schon im Vorfeld informieren möchte, findet im Online Handbuch, Kapitel 2 entsprechende Informationen zu den Anforderungen, die LimeSurvey stellt.

Jede Frage hat ein eindeutiges Identifikationsmerkmal (in LimeSurvey als Code bezeichnet) und, basierend auf der Art der Frage, individuelle Eigenschaften die definiert werden können. Jede Frage wiederum wird einer sogenannten Frage-Gruppe zugeteilt und die Frage-Gruppen wiederum sind Teil einer Umfrage. Bei dieser wiederum können spezifische Eigenschaften (wie z.B. Layout, Anonymisierte Datenablage, etc.) festgelegt werden.

Hat man dieses Konzept erst einmal begriffen, kann eine Umfrage sehr schnell und einfach erstellt und freigegeben werden.

 Bearbeitung der e-Mail Templates in LimeSurvey

Bearbeitung der e-Mail Templates in LimeSurvey

Mit etwas CSS, HTML und PHP Kenntnissen ist auch die Anpassung der vorhandener Umfrage-Templates keine grosse Hexerei. Da bereits bei der Installation verschiedene Templates mitgeliefert werden, findet man sich sehr schnell zurecht.

Sehr interessante Möglichkeiten bieten auch die Mail-Templates, welche verwendet werden können um den gewünschten Benutzerkreis, individualisiert über Parameter (z.B. mit Vorname, Nachnahme, etc), anzuschreiben.

LimeSurvey stellt hierfür e-Mail Templates für die Einladung zur Umfrage, für den Abschluss und einer Erinnerung zum Abschluss der Umfrage zur Verfügung. Benutz man einen geschlossenen Teilnehmerkreis, kann man sogar auswerten, wer wie oft erinnert werden musste, bis die Umfrage abgeschlossen wurde bzw. wer noch keine Antwort gegeben hat.

Fazit

Die Einarbeitung ging bei mir ziemlich flott von statten. Für die Installation und das Einrichten einer ersten Test-Umfrage benötigte ich ca. eine Stunde und weitere 6 Stunden braucht ich für die Erfassung der eigentlichen Fragen, dem Anpassen der Umfrage- und der e-Mail-Templates und mehreren Dutzend Testdurchläufen, um ganz sicher zu sein, dass alles genau so funktionierte wie ich es mir vorstellte.

Auch die vorhandene Dokumentation ist soweit ganz brauchbar. Die wichtigsten Informationen habe ich im Online-Manual oder im entsprechenden Forum gefunden.

Auf den ersten Blick scheint dies ein grosser Aufwand zu sein, unter Berücksichtigung, dass ich vorher mich nie wirklich intensiv mit dem Produkt auseinandergesetzt und ca. 2 Stunden der Zeit für die Anpassung der Umfrage-Templates verbraucht hatte, relativiert sich alles wieder.

Wer eine Umfrage erstellen muss/will, der sollte unbedingt einmal einen Blick auf LimeSurvey werfen.

Kosten für die Gemeinde

Denn einen oder anderen Steuerzahler der Gemeinde Schübelbach mag nun den Verdacht beschleichen, dass dieses „Projekt“ die Gemeinde wieder ein kleines Vermögen kosten wird, wenn ich den ganzen Stundenaufwand verrechne(n würde).

Ich kann hier alle aufgreschreckten Bürger beruhigen: Für die Suche nach einem Produkt, die Installation, das Aufsetzen der Umfrage, die Tests werde ich natürlich keine Spesen/Stunden abrechnen. Im Gegenteil: Die Kosten für das Hosting und die Domain-Registration habe ich persönlich bezahlt.

Es ist mir wichtiger, dass wir im Schulrat unser Projekt weiterführen können. Es geht mir um die Sache, denn ich bin überzeugt, dass dieses Projekt einen Mehrwert für den Schulrat und die Gemeinde bringen wird. Zudem läss esmein Stolz nicht zu, hier eine „billige Bastellösung“ zu suchen und einzusetzen, geht es doch um das Ansehen der Gemeinde.