Geld freie Welt

Die Menschheit befreite sich vom Joch des materiellen Besitzes und entwickelte ein neues Bewusstsein und Selbstverständnis. Dies war ein wichtiger Schritt für die Menschheit…

Vielleicht steht sowas ähnliches einmal, in ferner Zukunft, in den Geschichtsbüchern.

Wäre dies wirklich möglich? Wieso brauchen wir Geld oder andere Besitztümer?

Ein philosophischer Versuch meinerseits einen kleinen Kieselstein für ein solches Gesellschaftsmodell zu legen…

Und um es klar zu stellen, es geht mir hier nicht um die Verbreitung einer „Welt-Untergangs-Verhinderungs-Theorie“, die uns vor schmelzenden Polkappen oder saurem Regen schützen soll, sondern einzig und allein um eine Idee, ein philosophisches Hirngespienst, eine Weiterentwicklung oder Optimierung und vielleicht Fokussierung des Homo Sapiens auf das wesentliche.

Aller Anfang war Star Trek

 Freiwillig auf Luxus verzichten? Nicht neidisch auf den Sportwagen des Nachbarn? Vielleicht irgendwann mal...

Freiwillig auf Luxus verzichten? Nicht neidisch auf den Sportwagen des Nachbarn? Vielleicht irgendwann mal...

Das hier beschriebene Gedanken-Experiment startete vor einigen Jahren, während einer Episode von Star Trek, in welcher ein Crew Mitglied einem Menschen aus der „Vergangenheit“ erklärt, dass Geld nicht mehr existiert und jeder einer arbeite, weil er dies wolle und sich der Gesellschaft verpflichtet fühle, nachgehe. Ganz nach seinen Stärken und Wünschen…

Der Ansatz tönte verlockend, aber interessierte mich zu diesem Zeitpunkt nur bedingt. Erst ein paar Wochen/Monate später fing ich an mich mit dieser Aussage zu beschäftigen. Was würde ein solches Modell für die Menschheit bedeuten? Welche Probleme würden sich lösen lassen und welche würden entstehen?

Einige Randbedingungen

Nach einigen Gedanken, stand ich immer wieder vor dem gleichen Problem:

Es ist nicht die „Sache“ ohne Geld zu leben, es ist die Frage, wie motiviert man die Bevölkerung dazu freiwillig darauf verzichten zu wollen und sein tun und handeln, mit seinen persönlichen Werten, in den Mittelpunkt zu stellen und als wichtigstes Gut zu erkennen. Und das in Zeiten von Überfluss…

Um das Gedanken-Experiment durchzuführen, müssen wir einige Annahmen machen (bzw. Thesen aufstellen), ansonsten klappt es nicht.

Es ist anzunehmen, dass es immer noch Menschen gibt die „Macht“ haben wollen, denn dies ist einer der stärksten, nebst dem Fortpflanzungstrieb, intrinsischen Motivationsfaktoren.

Heute äußert sich dieser vorwiegend in der Anhäufung von monetären Besitztümern und der damit Beeinflussung der Mitmenschen. Dies funktioniert allerdings nur, weil die Mitmenschen sich, bewusst oder unbewusst, durch diese „Statussymbole“ steuern lassen und diesen selbst nacheifern bzw. in deren Besitz gelangen wollen.

Es ist also auch der Neid, der Hand-in-Hand geht, mit der Gier.

Wir müssen also grundsätzlich davon ausgehen, dass der damit verbundene Neid und die „auch haben will“-Mentalität in einer zukünftigen Gesellschaft fast gänzlich verschwunden sein müssen oder sich zumindest in anderer Form äußeren.

Während Millionen Jahre der Evolution, zeigte sich, dass die Trägheit der beste Freund beim Sparen von Energie ist. Es gibt Arten, die konnten nur überleben, weil sie gelernt haben ihre Energie nicht unnötig zu verschwenden. Es stellt sich aus evolutionärer Sicht also die Frage: Wieso rennen, wenn ich gehen kann? Wieso mich bewegen, wenn ich mein Essen trotzdem kriege? Wieso soll ich mich opfern, wenn es ein anderer macht?

Eine Lebensmaxime die heute unter dem Menschengeschlecht auf eine große Bühne trifft. Ein Hemmnis Faktor unbestritten und dies ist nicht im Einklang mit der „zukünftigen“ Philosophie.

Im Umkehrschluss müsste dies bedeuten, dass sich der Prototyp des zukünftigen Menschen, zumindest in Teilen (siehe nächster Abschnitt), von dieser (Über-)Lebensphilosophie losgesagt hat. Dies bedeutet aber auch, dass wir davon ausgehen, dass in Zukunft genügend Ressourcen (Nahrung, Wohnraum, etc) für alle gleichermaßen zur Verfügung steht, was uns wiederum zu einer „Huhn-Ei“-Problematik führt (dazu später mehr).

Es ist ebenfalls anzunehmen, dass der Neid, dass jemand mehr, mit weniger Aufwand, bekommt hier ebenfalls eine große Rolle spielt

Mittlerweile wissen wir aber auch, untermauert mit verschiedensten Studien, dass ein Mensch kein Roboter ist und seine maximale Leistungsfähigkeit zeitlich begrenzt ist. Folgt keine entsprechende Ruhephase, sinkt die maximal mögliche Leistung und/oder zumindest die zeitliche maximale Dauer, in welcher die maximale Leistung erbracht werden kann, wird extrem verkürzt.

In diesem Licht betrachtet, hilft (oder zumindest unterstützt) uns die Trägheit, damit wir unsere notwendigen Ruhepausen gönnen, wir dürfen sie also nicht gänzlich vernachlässigen.

Wenn wir diesen Leistungszyklus auf ein Menschenleben legen, werden wir feststellen, dass sich unsere Ziele und damit unsere Motivation sich kontinuierlich einem, mehr oder minder schnell verlaufendem, Änderungsprozess unterworfen ist. Das Fehlen dieser inneren Motivations-Motoren wirkt sich ebenfalls negativ auf die maximale Leistungsfähigkeit eines Menschen aus.

Um neue Welten zu erforschen, um den Kreis zu Star Trek zu schließen, muss die zukünftige Menschenrasse daran interessiert sein, neue Erfahrungen zu machen und neugierig sein.

Neid und Missgunst (siehe Abschnitt der Macht Typ) werden gesellschaftlich geächtet und nicht gefördert, im Gegensatz dazu wie es heute gerne getan wird. Auch die Tatsache, dass man jemanden etwas nicht gönnt und sei es jetzt sein Ferrari oder seine 20 Millionen Lohn, zeugen von dieser Neidgesellschaft, die uns hemmt.

Wie heisst es doch so schön: Leben und leben lassen…

Die „Macht“ der Zukunft, zeigt sich durch die Fähigkeit die Menschen zu berühren und jemand zu sein, dem die Menschen nacheifern wollen.

Dies zeigt sich durch die Nennungen in den Geschichtsbüchern, den getätigten Erfindungen, die Lebensqualität die eine Person einer anderen Person schenkt und dem persönlichen Netzwerk, auf welches eine Person zurückgreifen kann und welches sie unterstützt.

Aufgrund der sich verändernden Prioritäten, wird sich auch die Arbeit regelmäßig verändern, ganz nach den Präferenzen und Möglichkeiten einer Person.

Je nachdem, in welcher Lebensphase man sich befindet, macht man gerade eine Auszeit, eine Weiterbildung, arbeitet in einem speziellen Projekt, engagiert sich in der Forschung, widmet sich der Kindererziehung oder gestaltet sein Leben so, dass es für die Gesellschaft (oder einen Teil daraus) einen Mehrwert bringt, wobei die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten, dass wo und wie steuern.

Am Ende zählt nicht welche monetären Besitztümer angehäuft wurden, sondern welchen Wert jemand für die Gesellschaft erbracht hat.

Problemlöser?

Es würden sicherlich nicht alle Probleme gelöst werden, aber einige Dinge wären sicherlich einfacher zu berücksichtigen bzw. umzusetzen.

Lebensmittel müssen nicht mehr weggeworfen werden nur, weil ansonsten der Prozess zur Bereitstellung „un-normierter“ Lebensmittel zu teuer ist und dem Hunger auf der Welt könnte entgegengewirkt werden. Auch aufwendigerer Anbau von Lebensmitteln an, jetzt finanziell nicht tragbaren, Orten wäre denkbar.

So stellt sich nicht die Frage nach der reinen Wirtschaftlichkeit eines Produktes, sondern auch nach dessen Sinn in Bezug auf das gesamte System, in welchem es sich befindet. So spielt der Umweltschutz, wie auch die Gefährlichkeit für Mensch und die Erde, eine wichtigere Rolle in einem solchen System, denn diese Rücksichtnahme generiert keine (finanziellen) Kosten.

Auch kann in sämtliche Richtungen geforscht werden, die interessant erscheinen, ohne dass dafür ein ROI (zumindest nicht auf monetärer Basis) errechnet werden muss.

Wenn sich eine Forschung oder ein Forschungsgebiet für die Gesellschaft nicht lohnt, wird es keine Anerkennung geben und somit auch die Forschung nicht interessant sein. Im Umkehrschluss würden sich, für die Gesellschaft wichtige, Fragen/Probleme schneller lösen lassen, weil dies ja das Ziel jedes einzelnen ist. Das neue Wissen bzw. der Wissensaufbau würden sich nochmals exponentiell vergrößern.

Besitz ohne Geld

Wie soll das gehen? Wenn ein Lamborghini nichts kostet, wieso fährt dann nicht jeder so ein Fahrzeug?

Weil er es nicht braucht und wenn jemand ein solches Gefährt „organisiert“ und besitzt, tut er dies nicht zur Demonstration seines Vermögens, sondern aus Leidenschaft und Emotion.

Wieso sollten dann nicht alle Menschen in 100-Zimmer Luxus-Schlössern wohnen wollen? Weil sie es nicht brauchen und es keinen Neid gibt und jeder die Einsicht hat, dass er nicht gleichzeitig 100 Zimmer bewohnen kann, während der Platz auf Erden immer weniger wird.

Fazit

Von einem logischen Standpunkt betrachtet, würde eine Geld- und Neidlose Gesellschaft viele Dinge einfacher machen.

Die Schwierigkeit besteht darin zu dieser Gesellschaft „zu werden“, wobei der Faktor „Neid“ die entscheidende Kraft ist. Es muss möglich sein ein Luxusauto zu besitzen ohne das gleich der Nachbar auch eines will… Das Geld ist dabei nur die Manifestation dieses Problems.

Viele Dinge müssten gelöst sein (z.B. Hungersnot, fehlende Bildung, etc) um die notwendige Transformation machen zu können.

Diese Dinge wiederum können augenscheinlich erst gelöst werden, wenn wir sie schon gelöst haben und sind notwendig um die Gesellschaft auf die nächste Evolutionsstufe zu bringen – also eine Huhn-Ei Problematik.

In einigen Theorien zu dem Thema (insbesondere von Anitra Nelson) wird viel zu viel Wert auf den Ersatz des Geldes durch andere „Produkte“ gelegt. Es wird oft eine Form von ökonomischen Handel als zentraler Bestandteil des Wandels definiert, doch dies würde den Mensch als solches in eine „Gewand“ zwängen, dass ihm nicht passt.

Nicht jeder hat Freude an sich selbst versorgenden Nachbarschaften und diese Erklärungsversuche orten das Problem bei der „Ware“ und nicht beim „Verbraucher“. Und wir wissen, der Verbraucher ist immer das Problem…

All die Dinge, würden sich automatisch und von selbst Einstellen, wenn sich die Gesellschaft in Ihrer Grundhaltung ändert.

Grundsätzlich ist es aber der Mensch selbst, der sich verändern müsste, damit diese Lebensweise und -maxime überhaupt eine Chance hätte. Ich bin der Meinung, dass der Wandel nicht durch die Produkte bzw. deren Ersatzprodukte entstehen kann, sondern durch das richtige „Mindset“ in der Gesellschaft. Dieses müsste über Generationen vorbereitet und dann schlagartig und weltweit zeitgleich „aktiviert“ werden.

Alles andere ist wie Nebel an einem Herbstmorgen – schön anzusehen, aber spätestens um die Mittagszeit wieder verschwunden.

Wie gesagt, es ist ein mögliches Zukunftsmodell, das in der heutigen Zeit, in der jeder auf jeden Eifersüchtig und -neidisch ist, nicht funktioniert.

Nachtrag 14.12.2015:

Die Idee als solches findet sich in ähnlicher Weise im „Bedingungslosen Grundeinkommen“ wieder. Leider hat dieses Konzept zwei grundlegende Überlegungsfehler, weshalb dieses Konzept nie funktionieren kann:

  1. Das BGE wird auf einen begrenzten (geografischen) Raum angewendet und nicht weltweit eingeführt
  2. Die Grundproblematik von Neid, Missgunst sind zu (noch) zu fest verankert.