Einige Gedanken zur Weiterbildung

Auf Ausbildung folgt Weiterbildung, auf Weiterbildung folgt weitere Weiterbildung und vielleicht wieder eine Ausbildung. Lebenslanges Lernen ist das Stichwort der Stunde.

Das Schöne an unserem Bildungssystem in der Schweiz: Auch, wenn man sich nicht für eine akademische Ausbildung entschieden hat, kann man dies immer noch nachholen. Also doch noch nach der Lehre den Bachelor an der Fachhochschule und dann den Master anhängen. Ein Titel jagt den nächsten.

Die Möglichkeiten sind praktisch unendlich und das ist im Grundsatz auch gut so. Aber Ausbildung ist nicht gleich Ausbildung: Viele, mit denen ich zum Thema Aus- und Weiterbildung spreche, wollen einen Bachelor machen und dann noch einen Master anhängen. Nicht weil die Ausbildung das Ziel ist, sondern weil man es so macht und weil der Master der Master ist. Meist sind oft immer dieselben Ziele mit der Weiterbildung verbunden: Absichern für die berufliche Zukunft. Finanzielle Sicherheit schaffen, denn von der Wirtschaft wird top ausgebildetes Personal erwartet. So zumindest der allgemeine Tenor.

Es ist eine wahre Flut von „Bachelor-“ und „Master/-innen“ welche die Fachhochschulen und Universitäten verlassen und sich anschicken im Arbeitsmarkt den bestmöglichen Job zu erhaschen. Teilweise beschleicht mich das Gefühl, als würden diese Titel inflationär vergeben.

Aber dies ist ein anderes Thema.

In diesem Zusammenhang fiel mir, immer wieder auf, wie Mitarbeiter von Uni, die bereits schon über eine längere Zeit und oftmals auch an mehreren Orten, Praktika durchgeführt haben, mit Ideen um sich werfen, die in der Theorie sehr gut, praktisch aber absolut unbrauchbar sind.

Oder anders, eine angehende Führungskraft, ebenfalls frisch ab der Presse der ETH, erweist sich was seinen Wissenstand angeht als top qualifiziert, aber er kann nicht mit Leuten sprechen.

Sein Ziel ist aber klar: Management, er hat jetzt Master-Abschluss.

Es stellt sich die Frage nach dem Warum?

Ich stelle die These auf, dass sich heute viele Menschen gar nicht mehr die Frage stellen „Welches Wissen brauche ich um meinen (Traum)-Job überhaupt ausführen zu können?“, sondern sie Fragen sich „Welche Bachelor- und/oder Master-Ausbildungen gibt es in meinem Bereich?“ oder vielleicht sogar „Wie komme ich am schnellsten zu einem Abschluss damit ich viel Geld verdienen kann?“.

Man kann nun natürlich argumentieren, dass beide Fragen zielführend sind, denn schliesslich wird Wissen vermittelt und es findet das wichtige (und vom Arbeitsmarkt geforderte) Lernen statt.

Dies gewiss, doch dies geschieht, wenn nicht die Frage nach dem „Was brauche ich wirklich?“ beantwortet wird, mit einem quantitativen aber nicht zu einem qualitativen Lernen.

Worin liegt der Unterschied? Ganz einfach, im einen Fall lerne ich um des Titels/Geldes willen (als Motivation) und im anderen Fall, lerne ich weil ich weiss, dass ich das gelernte auch wirklich umsetzen kann, dieses gebrauchen will und weil es mir Spass macht.

Es steckt eine andere Motivation im Beweggrund des Lernens und somit ist auch die Qualität und das Endprodukt eine andere.

Die Sache mit Ying und Yang

Zum ständigen lernen gehört meines Erachtens auch, dass man sich stetig weiterentwickelt, bekanntes verlässt und sich versucht neue Eigenschaften anzueignen, eben seine Stärken zu stärken und seine Schwächen zu schwächen. Es gehört dazu auch über den Tellerrand zu schauen und sich auch mit seinen „Soft-Skills“ auseinander zu setzen. Sich nicht nur im Bereich der Diplome Ziele zu setzen, sondern auch persönliche, charakterliche Ausbildung ins Auge zu fassen.

Auch dies ist ein Lernprozess, bei dem es vielleicht keinen Master-Abschluss gibt, aber welcher einen persönlich weiterbringt und dies wirkt sich auch auf die Arbeit und das persönliche Umfeld aus. Also wieso sich nicht mal generell z.B. mit Psychologie oder einer künstlerischen Ausbildung auseinandersetzen, obwohl man in der Informatik arbeitet? Auch dies fordert den Geist und nur, wenn man Bekanntes verlässt, wirken die antrainierten Filter in unserem Gehirn nicht und wir erkennen plötzlich ganz neue Abhängigkeiten die uns vorher vielleicht gar nicht bewusst waren.

Wieso also nicht auch mal ein intensives auseinandersetzen mit der eigenen Motivation? Wieso nicht einmal einen Marathon laufen, wenn man bis jetzt nur mit dem Rennrad unterwegs war. Oder vielleicht sollte man sich auch mal überlegen wo man selbst, bei der Interaktion mit seinen Mitmenschen, noch Potential hat sich zu verbessern.

Weiterbildung und ständiges lernen ist ein absolutes Muss, nur sollte man sich Fragen was mich wirklich weiterbringt und ob ich beide Seiten, das „technische“ und auch das „soziale“ bzw. „persönliche“ Wissen.

Das Wissen/Lernen welches mit einem Diplom belegt werden kann und das andere lernen, dass persönlich und individuell ist und das erst im täglichen (Berufs)-Leben, oft auch unterschwellig, zum Tragen kommt.

Es ist wie mit Ying und Yang, wenn beides nicht im Einklang ist, funktioniert es einfach nicht perfekt.