Liberales Dossier – Die Gesellschaft

Inspiriert von der Liberalismus Debatte auf der NZZ meine Gedanken zum einen oder anderen Kommentar / Text…

Nur zu gern wird der liberale Gedanke als Ursache für die Verfehlungen in der Wirtschaft verantwortlich gemacht.

Seien es die Banken, die sich „bereichert“ haben und, im Schatten des Staates, gierig geworden sind oder sei es die Pharma-Industrie, welche Leute zu ihren Gunsten ausbeutet.

Machen wir uns nichts vor: Weder die Bank, nach die beschuldigte Pharma-Industrie sind reale Lebewesen, die als Monster, auch wenn dieses Bild gerne von einigen politischen Exponenten gebraucht wird, durch die Lande ziehen und die Leute ausbeuten und den Staat aussaugen:

Hinter all den Verfehlungen stehen Menschen, die Entscheidungen treffen, welche durch Ihre persönlichen Werte und Wertvorstellungen beeinflusst werden.

Es ist nicht der Liberalismus, welcher Verfehlungen ermöglicht, sondern die Erziehung (oder das Gewissen) jedes einzelnen!

Es sind die Werte eines Menschen (oder einer Menschengruppe), welche Verfehlungen erst möglich machen (oder eben diese verhindern) und nicht eine politische philosophische Gesinnung.

Gesetze verhindern die Straftat nicht

 (Politische) Freiheit braucht Raum um sich zu entfalten

(Politische) Freiheit braucht Raum um sich zu entfalten

Als kleines Beispiel sei hier die Prohibition erwähnt: Obwohl der Handel mit Drogen (und dazu zählen wir auch Alkohol) streng reglementiert ist, gibt es immer Leute/Gruppen, die diese staatlichen Regeln ignorieren.

Es muss also eine andere Komponente in unserem Leben da sein, welche uns „verbietet“ sich über das eine oder andere Gesetz hinweg zu setzen. Die Aussicht auf einen Aufenthalt im Gefängnis ist, nachgewiesener Weise, kein hinreichender Grund auf einen Gesetzesverstoss zu verzichten.

Details hierzu beschreibt Prof. Dr. Wolfgang Heinz in seinem Vortrag: Mehr und härtere Strafen = mehr Innere Sicherheit! Stimmt diese Gleichung? (siehe im besonderen Seite. 10, Abschnitt 6). 15. Januar 2015.

Nach Prof. Dr. W. Heinz, ist die staatliche Bestrafung nur das letzte Mittel, wenn sämtliche andere (sozialen) Komponenten versagt haben.

Es stellt sich also auch die Frage nach der Wirksamkeit und Nachhaltigkeit von Gesetzen.

Ein anderes Beispiel ist auch das Konkubinats Verbot, welches in der Schweiz erst ab Mitte der 70er Jahren (im Kanton Zürich) aufgehoben wurde.

Der Kanton Wallis kannte dieses Verbot bis 1995 und ich denke kaum, dass dieses Gesetz in den 90er Jahren verhindert hätte, dass unverheiratete Pärchen keine gemeinsame Wohnung bezogen haben. Auch hier gab es ein Gesetz und auch hier hat die „Moral- bzw. Wertvorstellung“ einzelner, den Bruch dieses, nicht verhindert.

Mehr eine Frage der Wertvorstellung als eine Frage der Gesetze

Wir, als Gesellschaft, sollten uns die Frage stellen wieso es Leute gibt, die sich auf Kosten anderer bereichern oder wieso Ausbeutungen in kleinen, grossen oder multinationalen Firmen immer noch möglich ist.

Andererseits müssen wir uns auch persönlich fragen, wieso wir denn jetzt unbedingt das grössere Auto als unser Nachbar haben müssen? Muss denn wirklich jede Arztrechnung (und sei sie noch so klein) der Krankenasse zur Abrechnung übergeben werden? Muss jeder Kilometer und jede Minute, die wir für eine Kommission unterwegs sind, detailliert aufgeschrieben und abgerechnet werden?

Wieso engagieren wir uns nicht freiwillig z.B. in einem Einwohner-Verein bzw. wieso haben die Vereine (ob nun politisch oder nicht) Mühe Mitglieder zu finden, die sich aktiv am Vereinsleben betätigen? Vielleicht weil jeder von uns ein kleinwenig egoistisch ist und wir uns zu sehr in den Mittelpunkt stellen?

Vielleicht haben wir doch mehr gemein mit eben jenen Managern, welche viele für Ausbeutung und die Gier verantwortlich machen beziehungsweise diesen entsprechendes Vergehen vorwerfen.

Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir nicht auch zu den Ausbeutern, wenn auch nur im ganz kleinen Rahmen, gehören und so das Bild des übermächtigen und des egoistischen Wirtschafts-Monsters, das mit Gesetzen gezähmt werden soll, mit unserer Einstellung ebenfalls nähren.

Es geht nicht um zigtausende Franken (zumindest in den meisten Fällen), aber es geht um eine Einstellung zu seinen eigenen Werten, den Werten der Gesellschaft und wie stark der Egoismus in einer Gesellschaft ausgeprägt ist bzw. gefördert wird!

Leben wir nach der Ich-kann oder der Jeder-kann Mentalität?