Die Aufhebung des Euro-Mindestkurs: Ein Desaster oder längst fälliger Schritt?

Von Beginn weg hat der EURO-Mindestkurs der SNB polarisiert. Die Kommentare reichten, zumindest metaphorisch betrachtet, von „Ei des Kolumbus“ bis hin zu „das dämlichste was eine Notenbank je gemacht hat“. Nach nun 2 ½ Jahren ist der Euro-Mindestkurs Geschichte und das ist gut so…

Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich zu Beginn die Kopplung des Frankens an den Euro, um die (Export)-Wirtschaft zu stützen, diesem Vorhaben sehr positiv eingestellt war. Hilft es doch der Wirtschaft und dem Standort Schweiz, solange die EU ihre Probleme noch nicht gelöst hat. Eine Überbrückungslösung sozusagen.

Es hat sich aber nun gezeigt, dass die EU und Ihre Mitgliedstaaten nicht fähig sind die internen Probleme zu lösen bzw. dass diese grösser sind als ursprünglich angenommen. Eine Lösung der Krise(n) im Euro-Raum war und ist auf mittelfristige Zeit nicht in Sicht (und wahrscheinlich auch nicht realistisch).

Zwickmühle – Weitermachen oder Aufgeben?

 Der Euro-Mindestkurs hat uns fest im Griff

Der Euro-Mindestkurs hat uns fest im Griff

Die Bilanz der SNB hat sich in den Monaten seit dem Euro Mindestkurs extrem aufgebläht. Über 300 Milliarden Euro hatte die SNB bereits in den Büchern und somit stieg auch das Risiko für die SNB bzw. die Schweiz. Eine Lösung der Probleme in der EU und somit ein Ende der Notwendigkeit der Kopplung des Franken an den Euro schien, glaubt man den Medien, nicht in Sicht.

Ich hatte mich schon lange gefragt, wieviel Geld und wie lange man den Schweizer Franken wohl noch an den Euro binden würde (und kann), türmen sich doch da gewaltige Risiken an. Zudem gibt es noch andere Währungen, die für uns ebenfalls nicht unwichtig sind und auf welche sich auch der Euro-Mindestkurs ebenfalls, nicht unbedingt positiv, auswirken kann.

Auf der anderen Seite „labte sich die Export-Wirtschaft am süssen Gift des Euro-Mindestkurses“ (siehe InsideParadeplatz.ch). Sind wir ehrlich: Der Euro-Mindestkurs war eine indirekte Subventionierung des Staates der Tourismus- und Export-Industrie, welche, wäre sie nur einige Monate notwendig gewesen, eine richtige Entscheidung gewesen ist.

Schnelles Handeln notwendig und richtig

Von verschiedener Seite wurde kritisiert, dass die SNB einen „langsamen Ausstieg“ hätte durchführen sollen und ein solch abrupter Wechsel sei mehr als fahrlässig.

Doch was wäre passiert, wenn die SNB nicht schnell reagiert hätte?

Was wäre wohl passiert, wenn die SNB angekündigt hätte, den Euro-Mindestkurs per z.B. Ende März aufzuheben? Dies hätte unvermeidlich Spekulanten auf den Plan gerufen, die mit dem Fall des Euro spekuliert hätten, und die Devisen- und Aktienmärkte wären über Wochen einer Rallye ausgesetzt gewesen, um an Ende, wie erwartet, abzustürzen. Ein Schrecken ohne Ende…

Auf die Aktienkurse des SMI hätte die Ankündigung, egal ob die Aufhebung heute oder erst in einigen Monaten „aktiv“ würde, mehr oder minder dieselben Auswirkungen gehabt.

Die Politik (oder zumindest einzelne Exponenten) hätten dies gleich als Anlass genommen um sich zu Positionieren und zu polarisieren. Mit grösster Wahrscheinlichkeit hätten diese Exponenten versucht, mit entsprechenden politischen Vorstössen, die SNB zu zwingen den Euro-Kurs stabil zu halten. Dies hätte wiederum für Verunsicherung bei allen Marktteilnehmern gesorgt. Ein weiteres Schreckgespenst wäre nicht zur Ruhe gekommen…

Was nun?

Dass der Euro-Mindestkurs nicht über mehrere Jahre aufrechterhalten werden kann, war mehr als absehbar. Es bleibt zu hoffen, dass die KMU und die Wirtschaft die Galgenfrist genutzt hat um sich auf den tieferen Eurokurs einzustellen. Man braucht kein Nostradamus zu sein, um zu sehen, dass der Mindestkurs nicht auf ewig bestand hatte.

Die Verwerfungen am Aktien- und Devisenmarkt werden sich über kurz oder lang wieder normalisieren. Es stellt sich hier bloss die Frage ob wir hier von Wochen oder Monaten sprechen.
Mit einem tiefen Franken wäre es für die Tourismus- und Exportwirtschaft einiges einfacher, dass ist klar. Aber ich bin sicher, dass diese Herausforderungen, mit einigen Innovationen und internen Reformen durchaus lösbar sind.

Wichtig ist nur, dass wir jetzt handeln und uns nicht auf einem künstlich geschaffenen Mindestkurs-Konstrukt ausruhen, dass sich zu einem gigantischen Problemberg auftürmt und dann in ein paar Monaten/Jahren, mit noch grösserem Ausmass, zusammenbricht.

Die Probleme der EU bleiben ungelöst, solange sich die europäische Gemeinschaft nicht endlich zu Reformen bei ihren Mitgliedstaaten durchsetzt. Es bleibt die Frage ob wir den Euro auch in 20 Jahren noch als Währung kennen werden.

Es herrscht Katerstimmung: Also sammeln wir uns kurz, schauen nach vorne und tun das, was wir als Schweizer am besten können:

Lösung suchen, umsetzen und nach vorne schauen…