Arbeitsplatz 4.0 – auch im Kanton Schwyz?

Seit einigen Jahren spricht man von der vierten Industriellen Revolution, welche unsere Arbeit und unseren Arbeitsplatz grundlegend verändern wird. Roboter, neue Technologien und eine weitere Ausbreitung von internetbasierten Dienstleistungen werden unseren Arbeitsalltag beeinflussen. Ist dies das Todesurteil für den Kanton Schwyz, in dem hauptsächlich kleinere Gewerbe- und Industriebetriebe Arbeit- nehmende beschäftigen?

Wer anpassungsfähig ist, wird überleben

Durch die neuen Technologien wird es möglich sein, Arbeitsprozesse (oder zumindest Teile davon) an einem beliebigen Ort auf der Welt, zu einer beliebigen Zeit und automatisiert auszuführen. Wie bei jeder Veränderung ist letztendlich die Frage ob die Chancen, welche immer mit einem Umbruch einhergehen, rechtzeitig erkannt werden und ob man bereit ist diese auch anzugehen.

Ungefähr 88% der im Kanton Schwyz ansässigen Firmen haben weniger als 10 Mitarbeiter und sind sehr flexibel. Sie können, das haben sie in der Vergangenheit oft bewiesen, schnell auf Veränderungen reagieren. Wem es gelingt anpassungsfähig zu sein, neue Ideen zu entwickeln, bestehende Prozesse zu optimieren und vielleicht auch mit veralteten Strukturen zu brechen, wird profitieren können. Das bedingt aber auch, dass unsere KMU genügend Mittel haben, ihre Projekte umsetzen und neue Produkte und Konzepte entwickeln zu können. Die aktuelle Steuerstrategie des Kanton Schwyz unterstützt die Unternehmen in dieser Hinsicht, denn jeder Franken der nicht an den Staat abgeliefert werden muss, kann wieder investiert werden und trägt schlussendlich zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei.

Gesellschaftliche Bedürfnisse erkennen und flexible politische Rahmenbedingungen bereitstellen

 Arbeitsplatz 4.0 - Flexibel, vernetzt und ortsungebunden

Arbeitsplatz 4.0 - Flexibel, vernetzt und ortsungebunden

Nebst den Steuern sind aber auch die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen von grosser Bedeutung. So prüft, aufgrund einer neuen Verordnung zum BÜPF (Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs), die Firma THREEMA, mit Sitz in Pfäffikon SZ, den Wegzug aus der Schweiz. Dies bedeutet im Gegenzug, dass sich Firmen mit ähnlichen Produkten mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht bei uns niederlassen und das bestimmte Geschäftsmodelle, aufgrund von Überregulierung, von vornherein ausgeschlossen werden. Auch (finanz-)politische Unsicherheit kann sich negativ auswirken und so ist eine stabile und attraktive Steuerstrategie eine weitere wichtige Randbedingung. Den jeder Franken der nicht an den Staat abgeliefert werden muss, steht für Weiterentwicklung, Projekte und Umstrukturierung zur Verfügung, welche im Rahmen von zukünftigen Arbeitsmodellen und Konzepten zwingend notwendig ist.

Desweiteren unterliegt auch unsere Gesellschaft einem stetigen Wandel, der nicht vernachlässigt werden darf. Während 1980 erst ca. 30% der weiblichen Bevölkerung einer Arbeit ausserhalb des eigenen Haushaltes nachgingen, waren es 2012 bereits ca. 60% der Frauen im Kanton Schwyz.

Es ist heute für viele Familien selbstverständlich, dass beide Elternteile arbeiten. Damit dies möglich ist, müssen die Eltern auf entsprechende familiäre Strukturen zurückgreifen können und, wo dies nicht möglich ist, müssen äquivalente Betreuungsangebote vorhanden oder flexible Arbeitszeitmodelle möglich sein. Der Gesetzgeber spielt hier eine wichtige Rolle, kann er hier die Firmen, welche entsprechende Konzepte umsetzen möchten, unterstützen oder eben behindern.

Gute Ausgangslage

Wenn wir neue Werkstätten, vor allem im Informationssektor und in der Forschung & Entwicklung, schaffen wollen, ist es notwendig die geeignete Infrastruktur bereit zu stellen und ein produktives Umfeld für Unternehmen und Mitarbeiter zu schaffen. Der Kanton Schwyz bietet diesbezüglich einen interessanten Lebensraum. Sowohl der innere, wie der äussere Kantonsteil können mit der Nähe zu verschiedenen Seen und Naherholungsgebieten aufwarten. Es gibt zudem eine grosse Anzahl Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, sich zu erholen oder sich im Nachtleben einer benachbarten Stadt auszutoben.

Verkehrstechnisch ist unser Kanton sehr gut erschlossen, liegt er doch direkt an der Nord-Süd- bzw. Ost-West-Verbindung des Schienen- und Strassenverkehrs. Die Wirtschaftszentren Zürich und Luzern sind mit den öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln schnell erreichbar und mit dem Flughafen Zürich haben unsere Unternehmen das Tor zur grossen weiten Welt sozusagen direkt vor der Haustüre. Desweitern befinden sich mehrere Hochschulen und Universitäten in direkter Nachbarschaft.

Vom Kanton der Pendler zum Kanton der Arbeitsplätze

Trotz der guten Rahmenbedingungen sind wir immer noch ein Pendlerkanton und es überqueren ca. 14’000 Personen regelmässig die Kantonsgrenze, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Anzeichen sind aber durchaus positiv, denn es gelang in den letzten Jahren z.B. unter anderem Arbeitsplätze in der Finanzindustrie und in der Medizinaltechnik zu schaffen. Dies sind zwei Bereiche die mit oder wegen der Industrie 4.0 wachsen dürften.

Ich bin überzeugt, dass der Kanton Schwyz sehr gute Voraussetzungen hat, um die bevorstehenden Herausforderungen bestens zu meistern. Die Politik ist nun gefordert, denn wenn unser Kanton in Zukunft eine wichtige Rolle als Werkplatz spielen soll, müssen wir innovative und nachhaltige Rahmenbedingungen definieren. Diese müssen schon jetzt die Geschäftsmodelle von Morgen ermöglichen und gleichzeitig den bestehenden Firmen grösstmögliche Entfaltungsmöglichkeiten bieten, damit aus dem Kanton der Pendler ein Kanton der Arbeitsplätze werden kann.

Dieser Artikel ist, in leicht gekürzter Form, ebenfalls im Schwyz Freisinn 2017/01 erschienen.