Die 1:12 Initiative - Eine kleinere Abhandlung

Zugegeben, für viele sind die Millionensaläre einiger Top-Manager nicht ganz nachvollziehbar. Aber das ist ein Gewinn im Lotto auch nicht.

Wie die neuste Lohnstudie der Handelszeitung belegt, sind die „Abzocker“ die absolute Ausnahme in der Wirtschaft. Durchschnittlich verdient ein Senior Manager irgendwo zwischen 220 000 CHF und 300 000 CHF pro Jahr. Wir sprechen also von einer Initiative die nicht den Durchschnitt zähmen will, aber dies auf dem Rücken von uns allen.

Vergleicht man die Lohnstruktur der Topmanager-Innen (P90), wurden im Jahr 2010 gemäss Bundesamt für Statistik im Durchschnitt, im privaten Sektor, 22 755 CHF pro Monat ausbezahlt.

Interessanterweise ist der Verdienst in der Tabakbranche rund 4 000 CHF im Monat höher als in der Finanzindustrie, aber dies ist eine andere Geschichte.

Als ich das erste Mal von dieser Initative gehört habe, gingen mir schon in der ersten Minute, ohne das ich mich wirklich damit befasst hätte, ca. drei mögliche „Szenarien“ durch den Kopf, die in jedem geneigten „Abzocker-Fiessling“ sofort aufflammen müssten:

  • Outsourcing – alle „billigen“ Arbeitskräft (oder das ganze Management) in eine andere Firma auslagern.
  • Verlagerung Firmensitz – Kaderleute sind typischerweise sehr flexibel und ob nun in London oder New York oder Zürich gearbeitet wird ist gänzlich egal. Solange das Land/die Stadt einen gewissen Lebensstandard bietet steht der Verlegung des Firmensitzes nichts im Wege. Zudem bietet ja gerade die USA, mit Delaware, auch steuerlich sehr interessante Optimierungsmöglichkeiten.
  • Anstellung in einem anderen Land – Auch wenn der Firmensitz in der Schweiz ist, könnte der Anstellungsvertrag bzw. -ort eines Management-Mitarbeiters z.B. via London laufen und somit wäre die 1:12 Initiative auch hinfällig.

Mit einigen Gallionsfiguren wie z.B. Vasela, Dougan & Co, welche eine Ausnahme in unserem Wirtschaftssystem darstellen, wollen die Initiaten der 1:12 Initiave einen weiteren staatlichen Eingriff etablieren und riskieren so eine weitere Schwächung des Wirtschaftsstandortes Schweiz.

Grundbedürfnisse einer Firma

Grundsätzlich will eine Firma (insbesondere die börsenorientieren Gesellschaften) eine regelmässige Gewinnsteigerung erreichen, um Aktionäre und Investoren glücklich und zufrieden zu stellen. Dazu gehört die Lohnsumme möglichst tief zu halten. Und hier ist das Salär des Management mit eingerechnet.

Es widerspricht der Logik, dass eine Firma ihrem Top-Management aus „Nächstenliebe“ ein horrendes Honorar ausbezahlt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Oder anders gesagt, ich würde auch nicht für 4000 CHF pro Monat arbeiten gehen, wenn ich 9000 CHF pro Monat für die gleiche Arbeit erhalte. Andererseits bezahlt mir der Arbeitgeber nicht 12’000 CHF wenn es eine andere Person gibt, die denselben Job, unter gleichen Voraussetzungen und denselben Fähigkeiten, erledigt.

Zudem ist es wichtig, möglichst uneingeschränkt operieren zu können, denn jede Einschränkung erhöht den Aufwand und senkt den Ertrag, was uns wiederum zum ersten Grundbedürfniss einer Firma bringt: Generierung eines Mehrwehrtes der investierten Ressourcen (also ein Gewinn).

Zugegeben, in einigen Branchen / Gebieten ist das Problem mit der „Vetternwirtschaft“ und den viel beschworenen Seilschaften nicht zu unterschätzen, aber dieses Problem löst die 1:12 Initiative nicht.

Dies ist ein zu gänzlich menschliches und somit ein Problem der Gesellschaft an und für sich.

AHV & Co?

Wer mehr verdient bezahlt auch mehr Steuern und AHV. Gemäss einer Studie der Universität St. Gallen, muss die AHV, bei Annahme der 1:12 Initiative, mit einem Verlust von bis 2.5 Milliarden Franken rechnen. Auch die Bundeskassen hätten mit einem Steuerausfall von ca. 1.5 Milliarden CHF (nicht einberechnet der Verlust bei den Gemeinden und Kantonen) zu rechnen.

Summen die der Mittelstand und die KMU abfedern müssen. Die Rechnung ist ganz simpel.

Als Beispiel sei folgender Blog Post erwähnt: http://t.co/B3ZxmVBn73

Weniger Lohn für das Management = mehr Lohn für alle?

Dieses Szenario erscheint äußerst unwahrscheinlich; Ja es ist fast etwas weltfremd. Da wundert es, wenn man den Ausführungen von Herrn Wehrmut und Frau Fehr folgt, ob diese beiden Personen sich jemals ernsthaft mit den Mechanismen innerhalb einer gewinnorientierten Gesellschaft befasst haben bzw. in diesem Kosmos (über)leben mussten. Ich denke nicht…

Seien wir ehrlich: Wenn mein Antrieb (als Firma) darin besteht Gewinn zu erwirtschaften und ich beim Top-Management Lohn einsparen kann, was mein Ertrags-/Aufwand-Verhältnis verbessert und ich dadurch konkurrenzfähiger werde, verteile ich das „gewonnene Geld“ an alle anderen?

Oder anders gesagt, wenn ich 200 CHF weniger Miete im Monat zahlen würde, würde ich das Geld dann lieber für die Nebenkosten ausgeben, anstelle für mich selbst zu behalten?

Ich denke das beantwortet die Frage nach der Umverteilung des Lohnes gänzlich.

Die Arbeitsleistung eines Top-Managers

Mir ist bewusst, dass nicht mit der Leistung und Verantwortung ein 5, 10 oder 50 Mio. Salär rechtfertigt werden kann. Dies muss es nach meinem Dafürhalten auch nicht.

Es gibt andere Komponenten die ich mit dem Lohn eines „TopShots“ bezahle, denn als Mitglied der Geschäftsleitung (oder als Top Manager) gibt man gewisse Freiheiten auf.

So ist nebst der Verfügbarkeit von 7x24h 365 Tage im Jahr und dem, oftmals mehr oder minder ausgeprägten, medialem Interesse und sonstiger privaten Einschränkungen (teilweise auch für die komplette Familie) zu berücksichten. Die Tatsache des „Dauerstresses“ sind ebenfalls in die Überlegung der Entlöhung einzubeziehen. Ferien heisst, dann morgens von 7:00 – 09:00 Mails checken und abends, wenn Frau und Kind schlafen oftmals noch weiterarbeiten.

Des Weiteren sind die „sog. TopShots“ der Unternehmen, meist ausgezeichnet vernetzt (man erinnere sich an Herrn Ospel und seine guten Verbindungen nach Asien, welche es der UBS innerhalb kürzester Zeit ermöglichten neues Geld zu beschaffen). Dieses Netzwerk kauft man, mit dem Lohn mit.

Dass die Stammstischrunde des Restaurant Bären in Wehrmutshausen nicht denselben Wert für ein internationales Unternehmen hat, wie ein ETH oder HSG Absolvent, scheint irgendwie logisch und nachvollziehbar.

Die Solidarität

Die Solidarität wird in den Plädoyers der 1:12 Initianten und Befürworter immer wieder gerne in die Runde geworfen, doch dies kann nur die halbe Wahrheit sein.

Nehmen wir einmal Roger Federer, welcher im Jahr 2011, gemäss Tagesanzeiger, 53 Mio. Franken verdiente. Es mag vielen vielleicht nicht aufgefallen sein, aber Roger Federer ist kein CEO und wenn der Tennisplatz bei den Swiss Indoors nicht spielbar ist, wird er wohl kaum, angenommen er hätte dann Ferien, aus diesen zurückkehren müssen. Komisch, er wird doch so selten, um nicht zu sagen nie, von den Befürwortern der 1:12 Initiative erwähnt. Roger Federer, denn ich im Übrigen persönlich sehr schätze und bewundere und dem ich sein „Honorar“ wirklich gönne, verdiente 2011 3.3x mehr als Severin Schwan (CEO Roche) 2012.

Solidarität bei den 1:12 Befürwortern bedeutet also, wenn ich ein Sportler bin und die Massen auf meiner Seite habe, darf ich viele Millionen verdienen; Aber als Manager der rund um die Uhr erreichbar sein muss und seine familiären/persönlichen Einschränkungen monetär vergüten lässt, ist ein unsoziales und zu tiefst zu verachtendes Geschöpf…

Konsequenterweise müssten auch Lotterie-Gewinne (denn dafür arbeite ich gar nicht) eingeschränkt werden, aber das ist Marketing technisch nicht so geschickt, denke ich.

Ein weiterer Punkt in diesem Zusammenhang sind die ganzen Starlets und Filmsternchen. Gehen wir davon aus, dass in der Schweiz ein Film mit Nicolas Cage gedreht werden sollte, wobei er dafür seine übliche Gage von ca. 7 Millionen US Dollar erhält. Ein solcher Film wäre ja nicht zu finanzieren, dann da müsste sein Maskenbildner ja ebenfalls 583000 US Dollar verdienen. Oder würde wohl der Film gar nicht erst in der Schweiz gedreht werden (können)?

Mag vielleicht auch heissen, dass sozial in diesem Kontext heisst, dass die negativen Auswirkungen der 1:12 Initiative von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wird.

Was also will die 1:12 Initiative wirklich?

Die tiefliegenden Ziele oder Visionen, welche mit der 1:12 Initiative (und all den anderen antiliberalen Ideen) verfolgt werden, können wohl nur die Initianten selbst begründen.

Fakt ist aber, dass sich das ganze Medial perfekt ausschlachten lässt und man, dank der oftmals einseitig geprägten Berichterstattung durch die Medien, wunderbar Werbung für das „soziale Anliegen“ (der Staat regelt alles und ich brauche keine Verantwortung zu übernehmen) an sich gemacht werden kann.

Mit sozialer Verantwortung kann die 1:12 Initiative nicht erklärt werden, wohl aber eher als gelungene Marketing Aktion zugunsten des sozialen Gedankenguts, bei dem, willentlich und wissentlich (das sei jetzt mal unterstellt), die liberalen Werte der Schweiz, welche massgeblich am Erfolg des Modelles Schweiz beteiligt waren und sind, ausgehöhlt werden und somit die Wettbewerbsfähigkeit massiv gesenkt wird.

Neid? Unverständnis?

Man mag nun meinen, dass ich als Verfasser des Blog-Eintrages Geld freie Welt die 1:12 Initiative unterstützen müsste, dem ist aber nicht so.

Im Gegensatz zur 1:12 Initiative beschreibe ich im erwähnten Blog eine Situation bzw. Gesellschaft, deren Motivation es ist sich selbst zu verbessern und der „Lohn“ sich nicht monetär, sondern in Form von Respekt und Anerkennung des geleisteten, vor allem auch sich selbst gegenüber, besteht. Es ist eine intrinsische Motivation, die mich aus eigenen Stücken selbst vorantreibt. Neid und Missgunst sind nicht mehr existent. Dies ist bei der 1:12 Initiative nicht gegeben.

Im Gegenteil es wird Missgunst und Neid gefördert. Leben und leben lassen und selbst versuchen aus seiner Situation das Beste zu machen, ist nicht mehr en-vogue.

Ein gewisses Unverständnis bei den teilweise gigantischen Lohnsummen ist nachvollziehbar, aber einfach eine Daumenschraube zu etablieren, anstelle die Gesellschaft selbst zu ändern, ist sehr kurzfristig gedacht und nicht zielführend.

Es scheint mir, dass es in unserer Gesellschaft Usus ist, anderen die Schuld für die eigene Situation zu geben und mit den Fingern auf die zu zeigen die mehr oder etwas anderes haben und zu sagen, „Will auch haben“, aber ohne dafür etwas zu tun. Eine bedenkliche Entwicklung wie ich meine.

Fazit

Aus meiner Sicht ist die 1:12 Initiative ganz klar abzulehnen, denn die Nachteile überwiegen klar. Vielleicht ist das eigene Ego beruhigt und man kann vermeintlich etwas besser schlafen, aber rechtfertigt dies die Annahme der 1:12 Initative?

Im Gegenteil: Durch die Einschränkungen wird der Wirtschaftsstandort ein weiteres Mal empfindlich geschwächt und weitere „soziale Abstimmungen“ folgen…

Wer 1:12 konsequent umsetzen will, muss sich auch dafür einsetzen, dass Lottogewinne die über dem 12x eines durchschnittlichen Jahressalär liegen, verboten gehören, dass Transfersummen von einigen Millionen im Sport absolut zu unterbinden sind und  grundsätzlich das maximale Einkommen (dies beinhaltet Werbeeinnahmen, genauso wie Erträge aus Tantiemen) in der Schweiz max. 864’000 CHF/Jahr betragen darf, wenn wir von ~6000 CHF durchschnittlichem Einkommen ausgehen.

Ach ja, und was ist Einkommen schon im Verhältnis zum Vermögen: Das durchschnittliche steuerbare Vermögen in der Schweiz liegt bei ~28’400 CHF und somit dürfte auch niemand mehr Vermögen haben als 340’926 CHF. Wie gesagt, konsequenterweise. Aber ob da die Eltern der Juso Freude daran hätte lässt zweifeln…